100 Jahre AWO Saarland

95 Jahre AWO Saarland

Für die AWO Deutschlands ist 2019 ein ganz besonderes Jahr: sie wird 100 Jahre alt. 1919 in Berlin vom SPD-Parteivorstand auf Initiative der Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz als „Hauptausschuss der Arbeiterwohlfahrt“ gegründet, durchlief die AWO eine wechselvolle Geschichte. Sie spiegelt viel von dem wieder, was sich seit der Gründung in Deutschland und dem heutigen Saarland (welt-)politisch wie auch wirtschaftlich und gesellschaftlich ereignete. Armenspeisungen, Suppenküchen und Nähstuben nach dem 1. Weltkrieg, Verbote und Verfolgungen durch Hitlers Nationalsozialisten, das Aufsammeln der Trümmer nach dem 2. Weltkrieg und das Wiederauferstehen, das Immer-wieder-dasein für die Armen und Schwachen im wieder wachsenden, längst nicht alle begünstigenden Wohlstand, bis hin zum unverzichtbaren Faktor im heutigen Sozialstaat: Die AWO wird damals wie heute gebraucht. Auch um denen Stimme zu geben, die nicht immer für sich selbst eintreten können. „Nicht Charity ist das Zauberwort, sondern Solidarität“,
sagt Reinhard Klimmt, der frühere saarländische Ministerpräsident, in seiner Einleitung zu dem in Kürze erscheinenden Buch zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt im Saarland. „Allen Menschen soll ein menschenwürdiges Leben garantiert werden. Wer in Not gerät, hat ein Recht auf Unterstützung
durch die Gemeinschaft, entweder über den Staat oder mit solidarischer Selbsthilfe der Betroffenen. Keine Almosen, keine Wohltaten, sondern Rechte.

Damit verknüpft sind die Verpflichtung und die Bereitschaft zur Selbsthilfe. Das alles galt damals und es gilt noch heute“. Gründung im Saargebiet
erst 1924 Im Saarland – exakt: im damaligen Saargebiet – erfolgte die Gründung der AWO am 13. Februar 1924 unter Vorsitz von Ange-
la Braun-Stratmann im Gewerkschaftshaus in der Brauerstraße in Saarbrücken. Der verspätete Start lag daran, dass die Region nach dem von Deutschland und
Österreich verlorenen Ersten Weltkrieg infolge des Versailler Vertrags als „Saargebiet“ für 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt wurde. 1924 gab es bereits 104 Ortsgruppen der AWO, die vor allem in der Kinder- und Altenbetreuung tätig waren. Die Jahre bis 1935 spielten für das Saargebiet wie auch für die AWO eine besondere Rolle. Nach der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 im damaligen Deutschen Reich ergab sich durch die besondere Situation im Saargebiet die Möglichkeit, dass Verfolgte des Naziregimes hier Zuflucht finden oder im Untergrund wirken konnten. Dazu zählte auch Marie Juchacz, die in der Saarbrücker Bahnhofstraße ein Hotel für Emigranten betrieb. Ab 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, war das Land Teil der französischen Besatzungszone. Das war auch der Grund, warum die AWO sich nach Kriegsende nicht gleich wieder anerkennen lassen durfte.

Die historische Komission hat ein Buch zur Geschichte der AWO im Saarland zusammengestellt. Das Buch ist kostenlos in unserer Landesgeschäftstelle verfügbar.