AWO Strickalarm gegen Altersarmut

Etliche Wochen lang haben Mitglieder, Mitarbeiter und Freunde der AWO an wärmenden Schals gegen soziale Kälte gestrickt.
1.600 laufende Meter Schal sind bei dieser ehrenamtlichen „StrickALARM“-Aktion gegen Altersarmut zusammengekommen.

Diesen längsten Schal des Saarlandes haben wir Anfang Dezember in einer großen Aktion von der saarländischen Staatskanzlei quer durch Saarbrücken bis hin zum Landtag geschlungen.

Der AWO-Landesvorsitzende Marcel Dubois überreichte jeweils unsere Forderungen zur Bekämpfung der Altersarmut und natürlich auch einen Schal an verschiedene Vertreter der Politik.

An Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer vor der Staatskanzlei in Saarbrücken, an Regionalverbandsdirektor Peter Gillo vor dessen Amtssitz im Saarbrücker Schloss und an die Landtagsabgeordneten Elke Eder-Hippler, Klaus Meiser und Eugen Roth vor dem Landtag des Saarlandes.

Ein großes Dankeschön gilt außer unseren fleißigen Strickerinnen auch allen Helferinnen und Helfern, die hunderte Meter Schal zusammengeknüpft haben und bei der Aktion „StrickALARM“ trotz klirrender Kälte dabei waren.
Ein dickes Dankeschön auch den Freundinnen und Freunden der IG Metall Vertrauensleute Saarstahl, die unsere Demo in Saarbrücken unterstützt haben.

Nach der Aktion und auch an unserem Stand auf dem Neunkircher Weihnachtsmarkt,konnte jeder für einen Betrag von 10 Euro einen der „Strick-ALARM“-Schals erwerben. Der Erlös geht zu 100% an die Notschlafstelle Saarbrücken.

Die AWO fordert

einen Kurswechsel hin zur Rückkehr einer leistungsfähigen und sicheren gesetzlichen Rente. Die gesetzliche Rentenversicherung sollte alle Erwerbstätigen einbeziehen. Nur so kann das Solidarprinzip funktionieren.
Wer langjährig arbeitet, soll davon auch leben können – und zwar besser, als jemand, der dies nicht getan hat. Dazu gehört für uns auch die bessere Anerkennung von Zeiten der Kindererziehung und der Pflege Angehöriger. Auch das ist Arbeit – und zwar ganz ohne Feierabend und Wochenende.
Es gab in den vergangenen Jahren kleinere Korrekturen in der Rentenpolitik, am allgemeinen Trend und an der grundsätzlichen Problematik hat sich nichts geändert.

Die AWO Saarland hat Daten zur Altersarmut in den Kommunen zusammengestellt und festgestellt, dass es zwar einen gemeinsamen saarländischen Trend gibt, die Kommunen aber doch auch Unterschiede aufweisen.

Die allgemeine Ausgangslage ist leider eine negative:

Der Strukturwandel und damit einhergehende Arbeitslosigkeit, die Zunahme prekärer Beschäftigung und die weiterhin niedrige Frauenerwerbsbeteiligung betreffen uns alle.

Um aber auch einige Unterschiede deutlich zu machen:

Während 2015 im Regionalverband 5,6 Prozent der alten Menschen Grundsicherung bezogen, lag die Quote im Saarpfalzkreis „nur“ bei 2,5 Prozent.
Die Landkreise Merzig-Wadern und St. Wendel sind zum Beispiel durch eine extrem hohe Wohneigentumsquote von 75 Prozent geprägt.
In Neunkirchen ist mit dem deutlichsten Bevölkerungsrückgang von über 10 Prozent bis 2030 zu rechnen.
In Saarlouis ist der Abstand zwischen Frauen und Männern beim Bezug von Grundsicherung relativ gering.
Lösungen müssen dringend gefunden werden, dies zeigt auch der massive Anstieg der Ausgaben für die Hilfe zur Pflege.

Altersarmut ist nicht ausschließlich ein bundespolitisches Thema:

Die Auswirkungen der Armut schlagen ganz konkret vor Ort auf. Die saarländischen Kommunen müssen sich zunehmend gegen Altersarmut wappnen. Armut ist mehr als nur der Mangel an Geld. Armut geht meist mit dem Ausschluss aus dem sozialen Leben einher, mit Krankheit, mangelndem Zugang zu Kultur, Bildung und zahlreichen Folgen.
Es gibt also kommunalpolitische Spielräume, um Altersarmut zu bekämpfen.

Die AWO Saarland möchte als Mitgliederverband mit den Kommunen in Dialog treten, um genau zu beleuchten, wie die Situation vor Ort ist und wie man Altersarmut auch kommunalpolitisch entgegentreten kann.

Ziele der kommunalpolitischen Aktivitäten sind:

eine regelmäßige regionale oder lokale Sozialberichterstattung, wie sie in Nordrhein-Westfalen in zahlreichen Kommunen erfolgreich praktiziert wird
Strategien und Ziele mit präventiven und akuten Maßnahmen gegen Altersarmut, um Betroffenen unmittelbar zu helfen (z. B. mobile Beratungsangebote, Kleiderkammern, Tafeln, Begleitservice, Ermäßigungen im Öffentlichen Personennahverkehr und im Kulturangebot, Finanzierungsangebote mit der lokalen Wirtschaft für Barrierefreiheit, Ambient Assisted Living)